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Jazzchorworkshop mit Matthias Becker

"Das war ein super Workshop", so eine Teilnehmerin beim diesjährigen Jazzchorseminar am ersten Septemberwochenende in der Landesakademie in Ottweiler. Entsprechend begeistert waren auch die Kommentare der anderen 30 Sängerinnen und Sänger, unter ihnen 9 Chorleiterinnen und Chorleiter.

Der Dozent, Dr. Matthias Becker, Experte auf dem Gebiet Vocal Jazz, ist im Saarland kein Unbekannter: Seit Jahren coacht er hier Chöre, war 2001 schon einmal für den SCV tätig und 2003 Jurymitglied beim Landeschorwettbewerb in Saarbrücken.

Beide Fortbildungstage begannen mit einem langen Warming-up und mit intensiven Einsingübungen, so dass die Stimme bestens vorbereitet war auf die ausgewählte Literatur: "Change the world", ein vierstimmiges A-cappella-Arrangement mit Solostimme, "I’m beginning to see the light", ein Swing-Standard aus den 40er Jahren, sowie ein Originalarrangement von New York Voices, "I could write a book".

Die einzelnen Phasen der Werkerarbeitung wurden immer wieder durch ergänzende Übungen zu Rhythmik, Intonation, Phrasierung usw. unterbrochen, um die verschiedenen Stilistikaspekte dieser Literatur zu vertiefen. Matthias Becker betonte mehrfach, dass die Rhythmik im Jazz besonders wichtig sei: "Wer Swing rhythmisch richtig machen will, muss regelmäßig langsam üben und Geduld haben. Das dauert eventuell Jahre, zahlt sich dann aber aus."

Auf großes Interesse stießen auch die so genannten "Circlesongs", das sind kleine, meist zweitaktige, frei erfundene Stücke, die eine Gruppe sofort zum Klingen bringen. Die Teilnehmer hatten ausreichend Gelegenheit, sich auf diesem eher ungewohnten Improvisations-Terrain auszuprobieren. Da entstanden interessante Klang- und Rhythmuskombinationen, ergänzt durch Scat-Soli, d.h. Silbenfolgen mit denen lautmalerisch instrumentale Phrasen nachgeahmt werden – und dann groovte es so richtig.

Im Laufe des Seminars stellte sich heraus, dass unter den Teilnehmern ein Quartett war, das die Ballade "Lonesome road" einstudiert hatte. Die wurde dem Plenum dann vorgesungen. Danach konnte sich jeder zu dem Gesangsvortrag äußern. Matthias Becker arbeitete anschließend mit der Gruppe weiter und zeigte, wie Chorarbeit nach dem Einstudieren der Noten aussehen kann. Es ging dabei unter anderem darum, Sinnzusammenhänge zu erkennen, Spannungsbögen weiterzuführen und Solostellen zu gestalten.

Am Ende des Workshops waren sich alle einig, dass das ein sehr inspirierendes und motivierendes Wochenende war, von dem die Teilnehmer noch lange profitieren werden. Es bleibt zu wünschen, dass der Saarländische Chorverband auch weiterhin solche wichtigen Impulse im Bereich der choralen Jazz- und Popmusik setzt. Denn solche Veranstaltungen, davon ist Uli Linn, einer der Seminarteilnehmer, überzeugt, "beeinflussen die sehr positive Entwicklung der saarländischen Jazz- und Popchorszene nachhaltig."

 

Horst Müller

Fotos: Willi Meiser