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Von Brahms bis Rammstein – Musikalische Vielfalt beim Neujahrskonzert des Saarländischen Chorverbands

In Zusammenarbeit mit dem Kreischorverband St. Wendel lud der Saarländische Chorverband am 23. Januar zum traditionellen Neujahrskonzert ein. In der Kulturhalle Hasborn-Dautweiler präsentierten fünf Chöre des Verbands ein musikalisch weitgefächertes Programm, welches SCV-Präsidentin Marianne Hurth ansprechend und humorvoll moderierte. Für eine bereichernde Umrahmung der chorischen Darbietungen und auflockernde Überleitungen zwischen diesen sorgte das Klarinettenquartett "Schaumberger Land" unter Leitung von Horst Nagel. Mit beschwingten kammermusikalischen Leckerbissen, etwa Glenn Millers "Moonlight Serenade", Irving Berlins "Alexander’s Ragtime Band" oder der Suite "City Scenes" von Terence J. Thompson, trafen die vier Musiker, denen man die Freude beim Vortrag anmerkte, den Nerv des Publikums und konnten verdientermaßen viel Applaus für sich verbuchen.

Als erster Chor betrat der Männerchor "Harmonie" Hasborn unter Leitung von Willi Schloss die Bühne. Der 1904 gegründete Chor hat sich die Pflege und Erhaltung des Volksliedgutes auf die Fahnen geschrieben. In gediegener Manier präsentierten die Sänger die Volksweise "Mädchen mit den blauen Augen", gefolgt von Hansjakob Heukes’ "Über die Heide", Bortnianskys "Tebe pajom" und dem russischen Volkslied "Jascha spielt auf" im Satz von Wilhelm Heinrichs. Als "Lokalmatadore" war ihnen der Beifall gewiss.

Einen erfrischenden Auftritt lieferte der aus dem Kinderchor St. Michael Gehweiler hervorgegangene Jugendchor "Inedpendent Voices". Mit Lust und Laune, verstärkt von Chorleiter Frank Keller am Keyboard und Oliver Becker am Schlagzeug, brachten die sieben jungen Sängerinnen mit "Good morning starshine", "Christmas Hallelu", "That’s what friends are for" und "Proud Mary" bekannte Musical-, Gospel-, Pop- und Rocksongs der 60er- bis 80er Jahre des 20. Jahrhunderts zu Gehör. Der Funke sprang schnell über und das Publikum unterstützte klatschend die rhythmisch beschwingten Nummern.

Temperamentvoll auch der Auftritt des Frauenchors CHORina aus Hülzweiler. "CHORina singt mal poppig, mal klassisch, mal ernst, mal heiter, mal weltlich, mal kirchlich, mal alltäglich, mal weihnachtlich – aber immer sehr weiblich. Denn das Motto von CHORina lautet: Starke Frauen Stimmen" (www.chorina.de) – was der erst im Sommer 2009 gegründete Chor überaus sangesfreudig und eindrucksvoll unter Beweis stellte. Mit klarem, harmonischem Klangkörper, sauberer Intonation und stimmlicher Ausgewogenheit offerierten die Sängerinnen im Alter von 17 bis 67 Jahren dem Publikum die irische Volksweise "Danny boy", den ergreifenden "Gabriellas Song" aus dem Spielfilm "Wie im Himmel", Lorenz Maierhofers "Have a nice day" und den Eurythmics-Klassiker "Sweet dreams" und demonstrierten dabei beachtliches Leistungsvermögen. Und mit ihrem mitreißenden Dirigat lieferte Chorleiterin Lea Brausch, ehemalige Teilnehmerin des SCV-Chorleitungsseminars, die beste Bestätigung für die Nachhaltigkeit dieser Chorleiterausbildung.

Kontrastvoll und stimmgewaltig dann der Auftritt des renommierten, mehrfach ausgezeichneten Kammerchors Schaumberg, der 2011 zwanzig Jahre besteht (www.kammerchor-schaumberg.de). Den "drei Liebesliederwalzern" von Brahms, einfühlsam vorgetragen und von Chorleiter Thorsten Hansen souverän am Klavier begleitet, folgte der Randy-Newman-Song "Short People" in der Version der King’s Singers, um schließlich wieder in die Romantik zurückzukehren, zum Eichendorff-Gedicht "Schöne Fremde" in der Vertonung der Mendelssohn-Schwester Fanny Hensel. Ob "modern", ob "klassisch", die hohe Qualität des stimmlich Gebotenen bereitete pures Hörvergnügen, das die 27 Sängerinnen und Sänger mit der polyphonen Klangwelt von Eric Whitacres "Sleep", welches eindringlich im hauchzartesten Pianissimo verebbte, zur Ergriffenheit steigern konnten – ein Höhepunkt an diesem Konzertabend.

Klangfarbenreich schließlich auch das Finale, das der junge gemischte Chor "Jung & Sing" aus Hülzweiler unter Leitung von Uli Linn bestritt. Der Chor besteht seit 1990 und ist vor allem in den Bereichen Pop, Jazz, Oldies und Filmmusik beheimatet (www.jungsing.de). Er kann ebenfalls bereits auf mehrfache Auszeichnungen zurückblicken, etwa die Teilnahme "mit gutem Erfolg" beim Deutschen Chorwettbewerb 2010 in Dortmund. Beim Neujahrskonzert beeindruckte er nach dem Spiritual "Somebody’s knocking at your door" vor allem mit dem Rammstein-Titel "Engel", Pflichtstück beim Deutschen Chorwettbewerb 2010, das im chorischen Arrangement von Oliver Gies und Jan Bürger natürlich keineswegs die brachiale Gewalt des Originals entfaltet, aber zu einer spannenden Klangcollage entwickelt wird, die der Chor überzeugend umsetzte. Mit "eifrigem Surren" folgte "Bumble Bee" von Anders Edenroth und schließlich ein äußerst cooles "Gute Nacht Freunde" (Reinhard Mey, Arr. Oliver Gies), mit dem ein kurzweiliges, chormusikalisch vielfältiges Konzert endete, dem man – einziger Wermutstropfen – noch mehr Publikumszuspruch gewünscht hätte.

Männerchor Harmonie Hasborn

Independent Voices Gehweiler

Jung & Sing Hülzweiler

Frauenchor CHORina Hülzweiler