Aktuell

Chorleitungsseminar – Chorleiterwoche – Orchesterleitung für Chorleiter

Impressionen aus der aktuellen Ausbildungsphase

Vom 16. bis 23. August fand in der Landesakademie für musisch-kulturelle Bildung in Ottweiler die Ausbildungswoche des SCV-Chorleitungsseminars, wie im vergangenen Jahr im Zusammenspiel mit der Chorleiterwoche statt. Letztere richtet sich als Fortbildungsangebot an alle interessierten Chorleiter, unabhängig davon, ob sie die dreijährige Ausbildung des SCV ganz, teilweise oder auch gar nicht absolviert haben. Ein zusätzliches Angebot bildete an den letzten drei Tagen der Woche das Seminar "Orchesterleitung für Chorleiter", das denjenigen Hilfestellung gibt, die mit der Aufgabe konfrontiert werden, einen Chor gleichzeitig mit einem Orchester zu leiten. Dozenten neben Seminarleiter Alexander Mayer waren Manuela Söhn-Lederle (Gesang, Stimmbildung), Elmar Neufing (Chorleitung) und Walter Niederländer (Chorleitung) – ein engagiertes Team, das nicht nur kompetent und pädagogisch geschickt, sondern auch leidenschaftlich bei der Sache ist!

Gegenüber dem Vorjahr war die Teilnehmerzahl leicht gesunken, was noch intensiveres Arbeiten ermöglichte. Das bereits in den letzten Jahren hohe Niveau der Seminaristengruppe stieg dagegen sogar noch mal an, was zukünftige Interessenten aber keineswegs abzuschrecken braucht: Denn die Teilnehmer, die hinsichtlich ihrer didaktischen, instrumentalen und gesanglichen Fähigkeiten ganz unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen, werden individuell, d.h. nach ihren jeweiligen Fähigkeiten und unabhängig vom belegten Kurs, gefordert und gefördert. Dies wird vor allem erreicht durch Einzelunterricht, sowohl vor der Gruppe als auch alleine mit den Dozenten – ein Aspekt, der stets von den Seminaristen gelobt wird.

Neben einer breitgefächerten Übungsliteratur gab es diesmal als Novum eine "Studierstunde", die den Teilnehmern eine Rückzugsmöglichkeit bietet, um die Vielfalt der während der Ausbildungsstunden erhaltenen und erfahrenen Informationen auf- und verarbeiten zu können. Erwähnt sei auch, dass die Teilnehmer zu Beginn der Seminarwoche Gelegenheit zu einem nicht ganz alltäglichen Auftritt hatten: Vom Baugerüst herab konnten sie ein Ständchen für Kultusministerin Annegret Kramp-Karrenbauer singen, die der Landesakademie einen Zuwendungsbescheid ihres Ministeriums über 92.000 Euro zur Sanierung des Daches des alten Akademiegebäudes (ehem. Ottweiler Lehrerseminar) überbrachte.

Einen besonderen Schwerpunkt der Chorleiterwoche bildete in diesem Jahr die Gregorianik, die Ursprünge der Musik vor rund 1000 Jahren. Neben dem Kennenlernen der Tonschriftzeichen der mittelalterlichen Musik, der Neumen, bildet hierbei die intensive Verbindung von Wort und Ton und die hierdurch bedingte "Freiheit" beim Dirigat, welches nicht metrisch gebunden ist, für Chorleiter eine reizvolle Aufgabe bzw. Erfahrung. Sie erweitert den Horizont, schafft mehr Gefühl fürs Dirigieren und somit letztendlich mehr Flexibilität bei der Leitung eines Chores. Ähnliches gilt auch für das Dirigieren von Rezitativen, das den Teilnehmern des Workshops Orchesterleitung vermittelt wurde. Den fortbildungswilligen Chorleitern, gerade aber auch denjenigen, die am Abschluss der dreijährigen Chorleiterausbildung stehen, werden damit wichtige Impulse vermittelt, ihre Dirigiertätigkeit nicht im Schematismus erstarren zu lassen.

Das Wochenendseminar "Orchesterleitung für Chorleiter" machte den Teilnehmern nicht nur bewusst, wie komplex das Problemfeld ist, das einen Chorleiter erwartet, der gleichzeitig einen Chor und ein Orchester zu dirigieren hat, sondern vermittelte auch sehr praxisnah in kurzer Zeit viele wichtige Grundlagen, um diese Probleme zu meistern.

Wie gibt man beispielsweise den richtigen Auftakt? Wann blättert man die Partitur um? Wie schafft man es, Orchester und Chor gleichermaßen anzusprechen bei unterschiedlicher räumlicher Distanz? Wie koordiniert man Musiker und Sänger richtig? Wie kann der Dirigent sein inneres Erleben der Musik auch äußerlich wahrnehmbar werden lassen und den Musikern und Sängern kommunizieren? Wie und wann hat Kontakt durch Blick und/oder gestisch zu erfolgen. Wie erreicht man Transparenz und Struktur im Dirigat? Wie baut man Energie auf? Wie kann der Dirigent genügend Dynamik des Chores mitbekommen, wenn letzterer hinter dem Orchester platziert ist? Wie muss dementsprechend die Ansprache der Sänger sein? Diese und weitere Fragen wurden anhand ausgewählter Literatur durchexerziert. Dabei gaben alle Beteiligten, also Dirigent, Orchester und Chor, nach dem jeweiligen Dirigat Feedbacks ab, um anschließend zu versuchen, die Kritikpunkte, etwa fehlende Einsätze und undeutliche Gesten seitens des Chorleiters oder zu schwache Artikulation der Konsonanten seitens des Chores, zu beheben.

Hieraus ergab sich eine hochkonzentrierte, intensive und damit erfüllende Zusammenarbeit, die nicht nur den Teilnehmern des Seminars, also den Chorleitern bzw. Dirigenten zugute kam. Auch für den Chor, gebildet von Teilnehmern der Chorleiterwoche und des Chorleitungsseminars, war es spannend und lehrreich, die Interaktion mit den Musikern zu erleben und die daraus erwachsenden Probleme praxisnah zu erfahren, ebenso für die Mitglieder des Sinfonieorchesters des Landkreises Kaiserslautern, die das Streichquintett bildeten. Sie hatten Gelegenheit, binnen kurzer Zeit Dirigenten mit unterschiedlichsten Charakteren und Fähigkeiten zu erleben, was ihnen regelrecht Spaß zu machen schien. Nicht zuletzt ihre offene und konstruktive Mitarbeit ermöglichte ein angenehmes und effizientes Arbeiten.

Nach all dem blieb am Schluss nur die Frage, ob der Workshop Orchesterleitung nach einer schon anstrengenden Chorarbeitswoche den ein oder anderen Teilnehmer nicht doch überfordern könnte. Vielleicht wäre es sinnvoller, zukünftig den Workshop an den Anfang der Chorleiterwoche zu legen oder gar auf ein separates Wochenende. Eine kritische Rücksprache und -schau nach Abschluss des Chorleitungsseminars im Oktober sollten hierauf Antwort geben können.