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Gesang verbindet Generationen - SCV-Neujahrskonzert in St. Ingbert

"Es muss feste Bräuche geben", mit diesen Worten des Fuchses aus dem "kleinen Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry begrüßte Präsidentin Hurth die Gäste in der gut gefüllten St. Ingberter Stadthalle zum Neujahrskonzert des Saarländischen Chorverbands. Am 18. Januar galt es aber nicht nur, den festen Brauch der chormusikalischen Jahresbegrüßung zu pflegen, in diesem Jahr feiert man auch ein Jubiläum: Der Kreis-Chorverband St. Ingbert besteht nunmehr 90 Jahre und übernahm zu diesem Anlass die Rolle des Gastgebers. Für die chorischen Darbietungen wurden eigens drei Projektchöre, ein Männer-, ein Frauen- und ein Kinderchor, ins Leben gerufen. Mit dem Kammerchor Dillingen und dem Madrigalchor Illingen lud man zudem zwei renommierte Chöre aus den Reihen des SCV ein.

Unter dem Motto "Gesang verbindet Generationen" wurde ein vielfältiges Programm von und für Jung und Alt geboten. Den Auftakt machte der Projektmännerchor mit "Raritäten der Romantik." Unter Leitung von Chordirektor FDB Everard Sigal brachten die rund 50 Sänger Abendlieder von Carl Ferdinand Adam, Robert Volkmann und Moritz Hauptmann – ruhige, getragene, "klassische" Männerchorliteratur – sowie das schadenfrohe "Kloster Grabow" von Carl Loewe zu Gehör. Dabei ließ die harmonische Geschlossenheit des großen Chors kaum anmerken, dass hier Sänger aus sechs verschiedenen Chören gemeinsam musizierten (MGV Sangesfreunde Oberwürzbach 1868, Singgemeinschaft Germania Biesingen sowie aus St. Ingbert MGV Josefstal, MGV Frohsinn, GV Germania 1900 und Chor der Brauerei Becker). Dass eine potentielle Zukunftsfähigkeit für Männerchöre auch in solchen Chorgemeinschaften, wie sie vielfach ja schon bestehen, liegen kann, wurde hier überzeugend demonstriert. Übrigens wird der Projektchor weiterbestehen, interessierte Sänger können sich ihm noch anschließen.

Es folgte der Kammerchor Dillingen, 1979 als Ensemble des Staatlichen Gymnasiums Dillingen gegründet und zwischenzeitlich zu einem angesehenen Chor herangewachsen, was zahlreiche In- und Auslandsauftritte, unter anderem am Heiligen Abend 1995 vor der Geburtskirche in Jerusalem, belegen. Die 40 Sängerinnen und Sänger widmeten sich unter dem Dirigat von Chorgründer Franz Ferdinand Neidhöfer konzertanter Chormusik des 20. Jahrhunderts. Stimmsicher und einfühlsam interpretierten sie anspruchsvolle Werke wie Javier Bustos "Ave Maria", Ravels "Nicolette" aus den "Trois chansons", Poulencs "Les tisserands" sowie Volksweisen aus Österreich-Ungarn (Kodály: Topfen der Zigeuner kaut) und Schweden (Alfvén: Zum Tanze, da geht ein Mädel). Besonders bewegend: Rudolf Mauersbergers anlässlich der Zerstörung Dresdens 1945 komponierte Trauermotette "Wie liegt die Stadt so wüst", die eindrücklich auch Hoffnung und Zuversicht angesichts der Zerstörung und Trauer signalisiert und die Zuhörer zum Innehalten und Nachdenken aufforderte – sicherlich einer der Höhepunkte dieses Konzertabends.

Szenenwechsel dann beim nachfolgenden, von Dorothée Bost-Kattler geleiteten Kinderprojektchor, bestehend aus Sängerinnen und nur ganz wenigen Sängern des Barbara-Ikas-Kinderchors, des Unterstufenchors des Leibniz-Gymnasiums St. Ingbert, der Noswendeler Spatzen sowie der Cholibris der Liedertafel Oberbexbach 1885. Von Barbara Ikas am Flügel begleitet entführte der junge Chor mit rhythmischen Liedern aus dem Zyklus "Alle Kinder dieser Erde" des saarländischen Komponisten Hans-Dieter Kuhn (*1964) in die mal fröhliche und schwungvolle, mal ernste und nachdenkliche Gedankenwelt der Kinder.

Mit Volksliedern von Brahms wie "Da unten im Tale", "Ich hab die Nacht geträumet" oder "Dem Himmel will ich klagen" zauberte nach der Pause der Frauenprojektchor unter Leitung von Barbara Ikas anrührende romantische Stimmung in die Halle. Die gefühlsbetonten Lieder von Liebe und Sehnsucht, Melancholie und Trauer, wurden von den Sängerinnen des Frauenchors Pro Musica und des GV Germania 1900 aus St. Ingbert sowie der Singgemeinschaft Heckendalheim 1984 behutsam vorgetragen und von Markus Schaubel, der die brahmstypischen komplexen Klavierbegleitungen scheinbar mühelos meisterte, zu einem wohlklingenden Gesamtbild verdichtet.

Zum Abschluss bot der 1976 gegründete Madrigalchor Illingen "europäische Chormusik der heiteren Art" aus dem Zeitalter der Renaissance. In gekonnter Manier sang der gemischte Chor "Viva la musica" (Praetorius / Eröd), gefolgt von bekannten Madrigalen aus Italien, Frankreich, Großbritannien und Spanien, mit denen er schon in vielen europäischen Ländern konzertieren konnte und deren Inhalt stets um das kreist, so Chorleiter Thomas Doll, was die Menschen am meisten beschäftigt: das Leben und die Liebe. Chorgründer Hans Peter Doll lieferte am Flügel die Überleitungen zwischen den einzelnen Liedern und als Zugabe gab es eine Pavane von Thoinot Arbeau, deren Strophen im Wechsel in französischer Originalsprache und in Deutsch in einer von Ludwig Harig besorgten Übersetzung gesungen wurden. Hiermit endete das zweistündige Konzert, das einen niveauvollen Querschnitt aus dem chormusikalischen Schaffen des SCV bot. Der abschließende Dank von Präsidentin Hurth galt dem Publikum sowie allen Mitwirkenden, besonders dem für die Organisation und das Programm verantwortlichen Kreischorverband St. Ingbert mit Kreischorleiterin Barbara Ikas und Vorsitzendem Werner Zeitz.