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Heidrun Scherer als Leiterin der SCV-Geschäftsstelle verabschiedet

Im unmittelbaren Anschluss an den Chorverbandstag am 25. April in der Eisenbahnhalle in Losheim am See fand die offizielle Verabschiedung von Heidrun Scherer statt, die zwei Wochen später, am 11. Mai 2009, mit dem Eintritt in den Ruhestand ihre Tätigkeit als Leiterin der SCV-Geschäftsstelle beendete.

Am 2. März 1981 hatte Heidrun Scherer ihre Arbeit beim damals noch unter dem Namen "Saar-Sängerbund" firmierenden Chorverband aufgenommen. In ihrer Dankesrede rechnete SCV-Präsidentin Marianne Hurth vor: "28 Jahre und 3 Monate warst Du in unseren Diensten. Das waren 10.299 Kalendertage, bzw. 6.160 Arbeitstage mit gut 338.800 Arbeitsstunden in denen Du für uns da warst. Und das Ganze ohne einen einzigen Fehltag!" Schon diese Tatsache zeugt von dem enormen persönlichem Engagements Heidrun Scherers, das ihre Arbeit für den Verband stark prägte und vielfach über das "normale" Maß hinausging. "Allen begegnest Du mit großem Respekt", so Marianne Hurt, "bist einfühlsam und mitfühlend aber auch konsequent und bestimmt, ohne jemals die Contenance zu verlieren. Diplomatisch vertrittst Du unsere Arbeit nach außen und bist zuverlässige Gesprächspartnerin in der Geschäftsstelle. Stets hast Du Deine Meinung klar vertreten und bist gefestigt und diplomatisch für die Sache des Chorverbandes eingetreten. Mit Dir hat der Chorverband eine Seele bekommen." Diejenigen, die Heidrun Scherer, in welcher Weise auch immer, unterstützt hat oder mit denen sie zusammenarbeitete – unter ihnen drei Verbandspräsidenten und acht Verbandschorleiter – werden dies bestätigen und dankbar zu schätzen wissen.

Der Landesjugendchor umrahmte die Feier als Dank an Heidrun Scherer, die in vielfältiger Weise bei der Gründung des jungen Ensembles mitgeholfen hat und in Zukunft ehrenamtlich dem Chor organisatorisch zur Seite stehen will. Als äußeres Zeichen hierfür platzierten die jungen Sängerinnen und Sänger die Bedankte während des Auftritts in ihrer Mitte. Viele der Chorverbandsteilnehmer erlebten dabei zum ersten Mal den Landesjugendchor und zeigten sich tief beeindruckt von dessen stimmlicher Qualität und homogenen Gesamtklang wie Auftrittsgestus. Zum Abschluss sangen alle, Verbandstagsteilnehmer und Landesjugendchor, gemeinsam der langjährigen "Seele" des Verbands ein Ständchen.

Sichtlich gerührt erwiderte Heidrun Scherer den Dank. Ihre Ausführungen seien im Folgenden wiedergegeben:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

meine lieben Sängerinnen und Sänger,

es geht mir am heutigen Tag wie früher als Schülerin: Es hat geklingelt, die Stunde ist zu Ende.

Der Dichter Theodor Fontane hat einmal gesagt: "Abschiedsworte müssen kurz sein wie eine Liebeserklärung." Dieser Empfehlung will ich gerne folgen.

Am 11. Mai dieses Jahres gehe ich in den Ruhestand – nach fast 30 Jahren Beschäftigung in der Geschäftsstelle des SCV. Und in all diesen Jahren brachte man mir in dieser meiner Position von den Vorstands- sowie den Vereinsmitgliedern und auch vielen sangesfreudigen Menschen außerhalb unseres Verbandes Achtung und Anerkennung sowie wohlwollende Unterstützung entgegen. Dafür möchte ich mich hier und heute mit allem Nachdruck und von ganzem Herzen bedanken.

Vor allem möchte ich Dank sagen all’ denen, die mich freundschaftlich mit Rat und Tat sowie mit einer großen Portion Geduld und viel Verständnis ein gutes Stück auf diesem meinem beruflichen Weg begleitet haben, mit denen ich mich zwar oft gestritten habe, aber letztendlich nicht zerstritten blieb. Ein aufrichtiges Dankeschön für die gute Zusammenarbeit, für das mir geschenkte Vertrauen und die Nachsicht, die geübt wurde, wenn ich gewisse an mich herangetragene Anliegen zu sehr hinterfragte. Bei einer so großen und vielschichtigen Gemeinschaft ist es ja auch nicht einfach, es jedem recht zu machen.

In fast 30 Berufsjahren habe ich viele Stürme erlebt und überlebt, so dass ich manchmal daran dachte, im Ruhestand meine Memoiren zu schreiben. Doch ein chinesisches Sprichwort sagt: "Dumme Gedanken hat jeder – aber der Weise verschweigt sie".

Ich bitte Sie alle ganz herzlich, auch meine Nachfolgerin bei ihrer Arbeit tatkräftig zu unterstützen. Ihnen, liebe Frau Surges, wünsche ich Glück und starke Nerven – sie werden beides in hohem Maße brauchen. Ein gut gemeinter Tipp von mir: Lassen sie sich niemals verbiegen!

Dem Verband wünsche ich, dass er den richtigen Weg zwischen Moderne und Tradition findet, d.h., dass bei allem gegenwartsbezogenen Denken und Handeln das traditionelle Gedankengut seinen Stellenwert behält. Der in seiner ganzen Tragweite noch nicht abzusehende gesellschaftliche Wandel hat – wie so viele andere Bereiche – auch die Chorszene erfasst. Nur im Geiste des ehrlichen Miteinanders, in einer Atmosphäre der Freundschaft und Verbundenheit – das sind meine Erfahrungen als Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle des SCV – werden jetzige und kommende Herausforderungen zu stemmen und Probleme zu lösen sein. Wichtig für die Gestaltung einer guten Zukunft ist aber nicht nur das Materielle; ebenso wichtig sind – und diese Einschätzung darf ich mir erlauben – andere Qualitäten und Tugenden. Insoweit sind auf allen Verantwortungsebenen des SCV für eine zukunftsorientierte fruchtbringende Arbeit immer wieder gefordert: Rücksichtsnahme und Teamgeist, Toleranz und Mitmenschlichkeit, Ehrlichkeit und Wagemut, Treue und Leistungsbereitschaft. So ist meine letzte Bitte an Sie alle, sich an dieser für die gesamte Gesellschaft wichtigen Aufgabe wie bisher auch künftig beherzt zu beteiligen.

Abschließend möchte ich noch einmal Theodor Fontane zitieren und Sie werden staunen, dass das Thema "Die Alten und die Jungen" schon im 19. Jahrhundert so aktuell war wie heute im 21. Jahrhundert:

"Unverständlich sind uns die Jungen",

wird von den Alten beständig gesungen;

meinerseits möchte ich’s damit halten:

"Unverständlich sind mir die Alten."

Dieses Am-Ruder-bleiben-Wollen,

in allen Stücken und allen Rollen,

dieses Sich-unentbehrlich-Vermeinen

samt ihrer "Augen stillem Weinen",

als wäre der Welt ein Weh getan –

ach, ich kann es nicht verstahn.

Ob unsre Jungen, in ihrem Erdreisten,

wirklich was besseres schaffen oder leisten,

ob dem Parnasse sie näher gekommen,

oder bloß einen Maulwurfshügel erklommen,

ob sie, mit andern Neusittenverfechtern,

die Menschheit verbessern oder verschlechtern,

ob sie Frieden sä’n oder Sturm entfachen,

ob sie Himmel oder Hölle machen –

eins lässt sie stehen auf siegreichem Grunde:

sie haben den Tag, sie haben die Stunde;

der Mohr kann gehen, neu Spiel hebt an,

sie beherrschen die Szene, sie sind dran.

Ich wünsche dem SCV eine gute Zukunft!

Am 11. Mai fanden sich in der Geschäftsstelle des SCV zahlreiche Verbandsmitglieder, jetzige und ehemalige Vorstände, Chorleiter und Sänger sowie Vertreter assoziierter Institutionen ein, um Heidrun Scherer anlässlich des Eintritts in den Ruhestand noch einmal persönlich zu danken und die besten Wünsche zu überbringen.

SCV-Ehrenmitglied Willi Feß, der 1981 als Vizepräsident die Leiterin der Geschäftsstelle in die Arbeit des Saar-Sängerbunds eingewiesen hatte, erinnerte an die bewegten Umstände und die Vorgeschichte, die damals zur Einstellung der Geschäftsstellenleiterin geführt hatten. Zurückgeblickt wurde auf 28 zuweilen bewegte und nicht immer leichte Jahre, in denen Heidrun Scherer stets eine feste und verlässliche Stütze des Verbandes und eine nimmermüde Anlaufstelle für Fragen und Probleme jeglicher Art gewesen war. Der SCV ist Heidrun Scherer daher zu großem Dank verpflichtet und wünscht ihr für den neuen Lebensabschnitt alles erdenklich Gute, Gesundheit und noch viele bereichernde Jahre an der Seite ihres lieben Mannes!