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Junge Stimmen mit enormer musikalischer Gestaltungsfähigkeit

A-cappella-Konzerte des Landesjugendchors Saar

Ein knappes Jahr nach seinem Debüt lud der Landesjugendchor Saar zu seinem zweiten Konzertprogramm in die Losheimer Eisenbahnhalle (30.8.2009), den Homburger Saalbau (12.9.) und das Saarlouiser Theater am Ring (13.9.) ein. Annähernd 400 Besucher ließen sich von dem jungen Ensemble begeistern, wobei das Losheimer Konzert mit Abstand die meisten Zuhörer fand – "Heimspiel" für Chorleiter Alexander Lauer, der zugleich Losheimer Dekanatskantor ist. Auch war der Gastauftritt des Landesjugendchors im April beim SCV-Verbandstag in der Eisenbahnhalle vielen vor Ort offenbar noch in guter Erinnerung.

Unter dem Motto "Come again" stand diesmal weltliche Literatur auf dem Programm, deutschsprachige und skandinavische Volkslieder, Werke der Romantik und der Renaissance sowie zeitgenössische Kompositionen. In der Ankündigung hieß es: "Die musikalische Reise taucht den Konzertbesucher dementsprechend in unterschiedlichste Stimmungen ein, die Gestaltung einiger Werke geht dabei über eine rein musikalische Darbietung hinaus und umfasst auch szenische Elemente, um die musikalische Botschaft auch visuell wahrnehmbar werden zu lassen" – und damit war nicht zu viel versprochen!

Nach tänzerischem Auftakt ("Zum Tanze da geht ein Mädel", arr. Hugo Alfvén) zog der Chor mit dem melancholischen Herbstlied "Höstvista" (Erna Tauro, arr. Leif Österlund) und dem von Querflöte (Susanne Mayer) und Kontrabass (Manuel Holzhäuser) begleiteten "Fäbodpsalm frà¥n dalarna" (arr. Anders Öhrwall) die Zuhörer von Beginn an in seinen Bann. Auf Volkslieder folgte Romantisches mit Schumanns Zigeunerleben und Auszügen aus Brahms’ Zigeunerliedern sowie Ravels ergreifenden "Trois beaux oiseaux du Paradis". Anschließend gab es Werke der Renaissance, unter anderem John Dowlands konzerttitelgebendes "Come again" und Clément Janequins "La guerre", letzteres eine beeindruckende stimmliche wie szenische Umsetzung einer Kriegsschlacht.

Wieder in der Gegenwart angekommen wartete der Chor mit von Tanzeinlagen einzelner Choristen begleiteten Evergreens wie "Bei mir bist du schön" (Sholom Secunda, arr. Roger Emerson) oder dem lateinamerikanischen "Un poquito cantas" (Franz M. Herzog) auf, ebenso mit dem jazzigen "I’m a train" (arr. Peter Knight), welches mit sichtlichem Spaß in Szene gesetzt wurde.

Der Landesjugendchor, nunmehr auf eine Stärke von 35 Stimmen angewachsen, wenngleich immer noch dominant im weiblichen Stimmenanteil, überzeugte bei dem in Stilistik, Tempo wie auch Klanggestus sehr abwechslungsreichen Programm mit einer enormen musikalischen Gestaltungsfähigkeit, wie man sie auch schon bei seinem Debüt 2008 nachhaltig erleben konnte. Chorleiter Alexander Lauer und Gesangspädagogin Stefanie Fels ist es erneut gelungen, die Sängerinnen und Sänger zu Höchstleistungen zu führen. Beeindruckend dabei ist nicht nur die stimmliche Qualität und Sicherheit sowie der homogene Gesamtklang – man möchte mittlerweile von einem charakteristischen "Landesjugendchorklang" sprechen, so Verbandschorleiter Alexander Mayer – sondern auch der spielerisch-souveräne Auftrittsgestus und die sichtliche Lust und Freude an der gemeinsamen Darbietung. Dazu gehört auch, dass immer mehr Chormitgliedern die Möglichkeit gegeben wird, in einzelnen Passagen solistisch hervorzutreten.

Eine gute Idee war es zudem, die verschiedenen Musikblöcke mit Instrumentalbeiträgen einzelner Chormitglieder einzuleiten bzw. zu bereichern. Béatrice Egele, die den Chor auch mehrfach am Klavier begleitete, brachte virtuos Rachmaninows Prélude c-moll op. 23 Nr. 7 zu Gehör, Corinna Simon interpretierte an der Gitarre einfühlsam John Dowlands "Now, oh now I needs must part". Besonders anrührend dann der Solobeitrag der blinden Sarah Pisek, die ihre eigene Komposition "Worte", sich selbst am Klavier begleitend, vortrug. Alles in allem ein anregendes, kurzweiliges Konzertprogramm auf hohem Niveau, das der Chor freilich jeweils nicht ohne mehrere Zugaben beenden durfte.

Der zukünftigen Arbeit dieses vielversprechenden Ensembles, das dankenswerterweise mittlerweile von der VSE AG und Saartoto gefördert wird, darf man weiterhin freudig entgegensehen. Es bleibt zu hoffen, dass die Konzertbesucher die Aufforderung von SCV-Präsidentin Marianne Hurth beherzigen und ihre guten Eindrücke vielfach weitergeben, um dem Chor in Zukunft eine noch breitere Zuhörerschaft zu erschließen. Verdient hätte er es allemal!