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Singen im Popchor

Workshop "Ørehænger" begeistert aufgenommen

13 Sängerinnen und 11 Sänger, darunter 10 Chorleiter/-innen, nahmen am 6. und 7. September die Möglichkeit zur Teilnahme an einem außergewöhnlichen Workshop in der Landesakademie Ottweiler wahr. Unter dem Titel "Ørehænger – Singen im Popchor" (www.orehanger.dk) wurden mehrstimmige A-cappella-Arrangements einstudiert mit besonderem Schwerpunkt auf Groove, Phrasierung und Singtechniken in der Popmusik. Workshopleiter war der dreißigjährige Morten Kjær aus Kopenhagen, Absolvent der königlichen Musikakademie in Aarhus, von 1997-2004 Sänger der international bekannten Vokalgruppe "baSix" und derzeit Sänger, Solist, Arrangeur und Assistenzchorleiter bei "Vocal Line", einem Pop-/Jazzchor aus Dänemark (www.vocalline.dk), mit der beste und richtungsweisendste in seiner Sparte europaweit. Malene Rigtrup, ebenfalls Solistin, Arrangeurin und Assistenzchorleiterin bei Vocal Line, die ursprünglich den Kurs mitleiten sollte, konnte wegen der bevorstehenden Geburt ihres ersten Kindes die weite Reise von Dänemark ins Saarland nicht antreten.

Pünktlich um 9 Uhr ging’s los mit einem warming-up. Schon während des Einsingens merkten die Teilnehmer, dass da ein wahres Energiebündel vor ihnen agierte. Und diese Power übertrug sich sofort auf alle Anwesenden. Schwerpunkt der Fortbildungsveranstaltung bildeten stiltypische Singtechniken der Popmusik, wie Neutral, Curbing und Overdrive. Morten Kjær verglich das Singen mit dem Schalten beim Autofahren . Im ersten Gang (neutral) bewegt sich das Fahrzeug noch sehr langsam, entsprechend singt man eher zart und nicht sehr laut. In der 6-stimmigen Ballade "In the red" konnten die Sänger/-innen diese Technik selbst ausprobieren und einüben.

Im zweiten Gang (curbing) muss man schon etwas mehr Energie einsetzen. Aber Achtung! Die Kraft, die raus will, muss gezügelt (= to curb) werden . Mit dieser Technik singt z.B. Michael Bolten. Als Beispiel hat Morten Kjær das 5-stimmige "Brown eyes", einen Erfolgssong von Destiny’s Child, ausgewählt. Und im dritten Gang (overdrive = übertreiben) nimmt das Fahrzeug dann richtig Geschwindigkeit auf. Der Dozent verglich diese Technik gerne mit dem Singen von Betrunkenen oder von Fans in einem Fußballstadion. Witzigerweise nannte er hier als Beispiel Whitney Houston. Im Arrangement des Betales-Klassikers "Blackbird" gibt es einige Passagen, die erst dann authentisch wirken, wenn sie mit dieser Technik gesungen werden. Wie in einem Arrangement verschiedene Singweisen angewendet werden müssen, damit Textaussagen und ein bestimmter Ausdruckscharakter deutlich werden, machte Morten Kjær mit seiner eigenen "Blackbird"-Bearbeitung deutlich.

Viel Zeit nahm er sich auch für das Erlernen des Vibratos. In speziellen Übungen demonstrierte er eindrucksvoll, wie man diese Technik vermitteln und trainieren kann. Auch hier erfolgte umgehend die Anwendung in Literaturbeispielen, zu denen neben den genannten auch vier A-cappella-Arrangements von Malene Rigtrup und ihm selbst aus dem Band "Memories of a color" sowie Michael Jacksons "Black or white" als 5-stimmiges Funk-Arrangement zählten.

Neben der Werkerarbeitung sorgten kleine rhythmische Auflockerungsübungen sowie Übungen im Call-and-response-Prinzip zwischendurch immer wieder für Abwechslung und gute Laune. Sehr viel Spaß bereitete auch das Improvisieren. In so genannten Circlesongs (= Kreisgesänge, die sich aus kleinen, zwei- bis viertaktigen Rhythmusmodellen entwickeln) konnte jeder – zuerst in einer großen Gruppe mit anderen zusammen, später in einem Vierer-Circle – sein Rhythmusgefühl und seine musikalischen Ideen ausprobieren.

Morten Kjær hat den Kursteilnehmern alles in Englisch erklärt, was anfangs zu einigen Irritationen geführt hat. Aber von Stunde zu Stunde konnten sich die in der Fremdsprache weniger erfahrenen Sängerinnen und Sänger immer besser auf die Ansagen und Erklärungen einstellen, weil alles auch mehrfach vorgesungen wurde und weil sich bestimmte Ausdrücke auch sehr oft wiederholten, sodass man irgendwann automatisch wusste, was gemeint war.

Beim Feedback am Kursende war einstimmig zu hören: "So etwas haben wir noch nicht erlebt!" Gemeint waren die Begeisterung, Power, Intensität, Fachkompetenz, das Einfühlungsvermögen und das pädagogische Geschick des Dozenten. In der Tat eine außergewöhnliche Persönlichkeit: Morten Kjær war immer freundlich, geduldig, konzentriert, verbindlich ... und seine Begeisterungsfähigkeit hat jeden mitgerissen. "Wer nicht dabei war, hat was verpasst!", so der einstimmige Tenor.

Beim Abschlussgespräch wurde auch auf die finanzielle Situation des SCV hingewiesen. Für nächstes Jahr ist ein Jazzchor-Workshop mit Matthias Becker terminiert (5.-6. September). Die Teilnahmegebühr muss dabei gegenüber diesem Jahr etwas angehoben werden. Im Vergleich zu Veranstaltungen in anderen Bundesländern ist der SCV dabei immer noch relativ preiswert, vergleicht man die hohe Kompetenz der Dozenten, die hervorragenden Arbeitsbedingungen und die ausgezeichnete Verpflegung und Unterbringung in der Landesakademie. Schon jetzt kann man sich für den Workshop im nächsten Jahr anmelden. Das Platzangebot ist allerdings begrenzt!