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When I fall in Love...erste Eindrücke

Workshop und Benefizkonzert zu Gunsten der Arbeit mit Tablet-Computern beim Chorleitungsseminar des SCV

Die Vorschläge der AG Chorleitungsausbildung des Musikbeirates des Deutschen Chorverbandes zur bundesweiten gegenseitigen Anerkennung der Verbandsausbildungen haben unsere saarländische Ausbildung, die von jeher einen sehr hohen praktischen Anteil (Proben vor Chor, Schlagtechnik, Stimmbildung, Körperarbeit), vor die Aufgabe gestellt, auch das Angebot im theoretischen Bereich (bisher hauptsächlich Intonationsangaben/die Arbeit mit der Stimmgabel) auszubauen. Da dies nicht auf Kosten des umfangreichen praktischen Unterrichtsangebotes geschehen sollte, kam aus dem Kreis der Dozenten die Anregung, die Möglichkeiten der „neuen Medien“ für ein erweitertes musiktheoretisches Angebot zu nutzen. Ohnehin haben sich in diesem Bereich in den letzten zehn Jahren rasant neue und teilweise geradezu revolutionäre Möglichkeiten ergeben, die Chorleitern und -sängern den Zu- und Umgang mit Musik auf eine ganz andere Art und Weise ermöglichen.

Barbara Scheck (C3): Ich nutze die Gehörbildungs-Apps und Mobile Sheets, d.h. Eine Setliste der im Seminar erarbeiteten Noten im .pdf-Format. Die Gewichtsersparnis und die Übersichtlichkeit haben mich so überzeugt, dass ich mittlerweile auch in den Chören, in denen ich selbst singe, damit arbeite.

Lena Herber (C2): Für mich sind die Tablets eine große Hilfe, um die Seminarstücke vorzubereiten. In der Cloud (Online-Speicher) gibt es midi-Dateien jeder Einzelstimme, die das Einstudieren erleichtern. Über eine Playlist beim Musikdienst spotify ist es außerdem sehr leicht, einen ersten Eindruck des „fertigen Stücks“ zu erhalten.

Johanna Grausam (C1): Die Arbeit mit dem Tablet ist 'ne coole Sache und hat mir vor allem bei der Vorbereitung der Intonationsangaben viel geholfen. Ich konnte gezielt üben und mich selbst kontrollieren.

Mehrere unterschiedliche Gehörbildungs- und Musiktheorie-Apps wie z.B. „Das absolute Gehör 2“ ermöglichen den Teilnehmern das individuelle Erarbeiten und Üben von musiktheoretischen Inhalten – von der Akkordbestimmung über das spielerische Erkennen von Intervallen bis hin zu Rhythmus- und Melodiediktaten. Über ein Online-Speichermedium werden den Teilnehmern von den Dozenten nicht nur die Noten, sondern auch Sekundärliteratur (z.B. zur Musikgeschichte oder Aussprache) zur Verfügung gestellt und über die app „Mobile Sheets“ in übersichtlichen und leicht zu bedienenden Setlisten zusammengestellt. Die App ermöglicht zudem das digitale Bearbeiten und Abspeichern der Partituren, so dass nicht mit jeder neuen Version auch wieder ein neues Notenexemplar erstanden/kopiert werden muss. Über die im Tablet integrierte Kamera können die Teilnehmer außerdem ihre Unterrichte und Dirigate aufnehmen und so zu Hause mit dem „virtuellen“ Lehrer weiter arbeiten.

Konstantin Hahn (C2): Das Tablet spart in den Proben Zeit und Nerven, da sämtliche Materialien mit wenigen Gesten zugänglich sind – ganz ohne ordnen, suchen und rascheln. Neue Noten lassen sich einfach hinzufügen, zudem kann man mittlerweile in Internet-Bibliotheken viele Originalmanuskripte ansehen und auf dem Tablet speichern, was vor allem für die Vorbereitung Alter Musik sehr reizvoll ist.

Um die Anschaffungskosten der Tablets zu finanzieren und den angehenden Chorleitern die Möglichkeit zu bieten, ihr erlerntes Wissen auch in der Praxis anzuwenden, werden vom SCV in regelmäßigen Abständen Benefizkonzerte durchgeführt – das erste bereits im März diesen Jahres mit dem Saarknappenchor in der voll besetzten Missionhauskirche St. Wendel.

In der Chorleiterwoche waren dieses Jahr die Chöre Jung&Sing Hülzweiler (Ltg. Uli Linn) und Cantilena Überherrn (Ltg. Marita Grasmück) zu Besuch und haben sich als Versuchschöre für die Teilnehmer zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus haben sich beide Chöre bereit erklärt, gemeinsam mit den Teilnehmern die nächsten beiden Benefizkonzerte für die Tablet-Aktion zu gestalten. Das Konzert mit Jung&Sing findet bereits am 18. September, 17.00 h in der evangelischen Kirche Saarlouis statt und trägt den Titel „When I fall in Love“. Auf dem Programm stehen Werke von Coldplay (Viva la vida, Arr. J. Johansen), Rammstein (Engel, Arr. O. Gies), Kirby Shaw u.a.m. – geleitet wird das Konzert von Uli Linn und Teilnehmern der Chorleiterausbildung 2016.

Im Rahmen der Chorleiterwoche konnten sich Chor und Dirigenten dabei ein erstes Mal gegenseitig beschnuppern. Die auch für den Chor ungewohnte Situation, in kurzer Zeit von vielen verschiedenen Dirigenten geleitet zu werden, während diese wiederum vom Dozententeam gecoacht wurden, war sicher für alle Beteiligten eine spannende Erfahrung. Hier einige Mitglieder von Jung&Sing

Christiane: Spannend, wie alte und bekannte Stücke plötzlich einen ganz neuen Charakter bekommen.

Alexander: Ich fand es sehr spannend zu sehen, wie detailliert die Dozenten die Körpersprache der Dirigenten aufgeschlüsselt und korrigiert haben.

Lea: Das Saarland darf sich auf tolle, junge Nachwuchsdirigenten freuen.

Fabrice: Ich habe zum ersten Mal gesehen, wie man dirigieren lernen kann. Und dass wir als Chor auch ein Instrument sind, das unter jedem Dirigenten anders klingt, war mir vorher so nicht bewusst.

Die begeisterten und begeisternden SängerInnen von Jung&Sing, ein abwechslungsreiches Programm und die oben geschilderten spannenden Erfahrungen garantieren jedem Zuhörer ein ganz besonderes Konzerterlebnis – Herzliche Einladung!