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Vier Ensembles und eine Totenmesse! "Gänsehautfeeling" bei Brahms-Requiem

Bewegende Konzerte mit vier herausragenden jungen Ensembles am 3. und 4. November in der Saarbrücker Congresshalle und im Trierer Dom: Zum 30. Jubiläumsjahr des Landes-Jugend-Symphonie-Orchesters Saar (LJO) und zum Abschluss des 150-Jahr-Jubiläums des Saarländischen Chorverbandes brachten das LJO und der LandesJugendChor Saar (LJC) gemeinsam mit dem Mädchenchor am Trierer Dom und den Jungen Herren der Trierer Domsingknaben das "Deutsche Requiem" op. 45 von Johannes Brahms zur Aufführung. Einleitend erklang der 1. Satz der "Auferstehungssymphonie" von Gustav Mahler.

In der gut besuchten Saarbrücker Congresshalle hob Finanzminister Stephan Toscani, selbst ehemaliges LJO-Mitglied, in seiner Begrüßung die Bedeutung des LJO und des LJC als kulturelle Botschafter des Saarlandes hervor. Zum Konzert selbst lobte die Saarbrücker Zeitung schwärmerisch den "jungen Elan" und das "romantische Glühen" der 120 Sängerinnen und Sänger und des 80-köpfigen Orchesters:

"Helle, strahlende Stimmen – ein frisches, ungekünsteltes Musizieren. So direkt und eindringlich hat man das Deutsche Requiem von Brahms selten gehört. Die enormen technischen Hürden und die lange Aufführungsdauer wurden mit jugendlichem Elan weggesteckt" (Saarbrücker Zeitung 05.11.2012).

Überschwänglich fiel auch das Lob des Volksfreunds zum Trierer Konzert aus:

"Die Chorleiter Alexander Lauer und Thomas Kiefer haben gründliche Arbeit geleistet. Wenn der Chor "Freude, ewige Freude" beschwört, korrespondieren die Stimmgruppen ideal, schaffen einen schönen einheitlichen Klang ... Gelungen auch die Dialoge mit dem Orchester, die ein harmonisches Bild ergeben. Dirigent Alexander Mayer treibt sein junges Team mit klarer Gestik an, gibt dem schwärmerischen Schwelgen ebenso Raum wie dem kraftvollen Pathos und dem balsamischen Trost. Ein Konzert aus einem Guss ... Da ahnt man, was Thomas Kiefer meinte, als er in einem Vorwort von der "außergewöhnlichen Begegnung" gerade junger Musiker mit einem Stoff wie dem Requiem sprach. Kann sein, dass sie tatsächlich mehr über dieses Werk zu erzählen haben als mancher routiniert-perfekte Erwachsenenchor" (Volksfreund 05.11.2012).

Nachstehend schildert "LJC-Chronist" Michael Berens, der im Bass des LJC singt, seine Eindrücke aus Sicht der Mitwirkenden:

 

Ein Requiem zu singen ist immer ein zweischneidiges Schwert. So schön die Musik auch ist, ist es üblicherweise keine lustig-fröhliche Tanzmusik, sondern man erwartet irgendwie immer eine gediegene, zurückhaltende Atmosphäre, die sich mit dem zentralen Thema Sterben und Tod beschäftigt. Zugegebenermaßen ist das natürlich nichts, worüber junge Menschen, wie die Mitglieder des LJC oder des LJO üblicherweise diskutieren oder was sie tagtäglich thematisieren. Und dennoch: Es kann unglaublich viel Spaß machen, wenn man es gemeinsam auf dem musikalischen Weg tut.

Natürlich fällt das bei Johannes Brahms’ Requiem leicht. Die Hoffnung und die Freude auf ein Leben nach dem Tod stehen dort zentraler im Mittelpunkt als bei manch anderen Komponisten, aber kann ein Requiem Jugendliche begeistern?

Oh ja! Es kann. "Alter, ich hab so Bock auf Brahms Requiem, das glaubst kaum!" Wenn man am ersten Probentag im Bass sitzt und der Nachbar eben jenen Satz loslässt und die komplette Stimmgruppe zustimmend nickt und bejaht, dann weiß man einfach, dass alle mit Leib und Seele dabei sind und sich wirklich darauf freuen.

Wir hatten es ja schon letztes Jahr unter unserem Chorleiter Alexander Lauer viermal aufgeführt, allerdings mit Klavierbegleitung, und wir waren alle begeistert. Dieses Jahr waren dann die 80 jungen Musiker vom LJO mit von der Partie, die dritte Zusammenarbeit mit ihnen in den letzten Jahren, und wir freuten uns natürlich tierisch auf die beiden Novemberkonzerte. Die jungen Herren der Domsingknaben und der Mädchenchor des Trierer Doms, beide unter der Leitung von Thomas Kiefer, waren auch mit im Boot und plötzlich stand da in den Proben und Konzerten ein 120-köpfiger Chor, der zusammen mit dem Orchester eine faszinierende Truppe bildete. Mit dem isländischen Bariton Fjölnir à“lafsson und der schwedisch-ägyptischen Sopranistin Hélène Lindqvist, die kurzfristig für die erkrankte Anne-Kathrin Fetik einsprang, konnten auch zwei hervorragende Solisten gewonnen werden. Die Gesamtleitung hatte der erste Gastdirigent des LJO Alexander Mayer und auch ihm war die Vorfreude anzumerken.

Die Konzerte in der Saarbrücker Congresshalle am 3. November und einen Tag später im Trierer Dom waren Erlebnisse für uns alle, die niemand von uns so schnell vergessen wird. Vor allem das Konzert im prall gefüllten Dom war ein absolutes Highlight. Die Begeisterung jedes Einzelnen war beim Singen richtig spürbar und hat sich auch aufs Publikum übertragen.

Die facettenreichen Stimmungen in diesem Werk, die es zum Ausdruck zu bringen galt, in Kombination mit der klanglichen Weite und dem sakralen Ambiente eines großen Kirchenraumes, hatten tolle Eindrücke hinterlassen, beim Sänger und Musiker genauso wie beim Zuhörer. "Gänsehautfeeling!" war die treffendste Bezeichnung dafür, die an dem Abend oft genannt wurde.

Und was für Lehren ziehen wir für uns daraus? Die Gewissheit, dass es 200 junge Menschen gibt, die kein "Deutschland sucht den Superstar", "Voice of Germany" oder "Supertalent" brauchen um Spaß an Musik zu haben. Und das ist auch gut so! :D