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Chormusik vom Feinsten – Prachtvolles Neujahrskonzert in der Stiftskirche St. Arnual

In die Stiftskirche St. Arnual hatte der Saarländische Chorverband am 24. Januar zum Neujahrskonzert eingeladen, der "Veranstaltung mit der längsten Tradition im Verband", so Präsidentin Marianne Hurth in ihrer Begrüßung. Mangelnde Resonanz war keineswegs zu beklagen: Die Konzertbesucher waren so zahlreich erschienen, dass das ehrwürdige gotische Gotteshaus nahezu bis auf den letzten Platz gefüllt war. Erfreulich zahlreich vertreten waren auch die Ehrengäste aus Kultur und Regionalpolitik, die mit ihrer Präsenz den Stellenwert des Chorgesangs in der Gesellschaft unterstrichen, unter ihnen die Koordinatorin für kulturelle Angelegenheiten in der Staatskanzlei Susanne Reichrath, Referatsleiter Horst Peter Eisenbeis vom Ministerium für Bildung, Familie, Frauen und Kultur, Regionalverbandsbeigeordnete Elfriede Nikodemus sowie vom befreundeten Chorverband der Pfalz Präsident Hartmut Doppler und Verbands-Chorleiter Bernhard Haßler.

Für eine angemessene Einstimmung, die die garstige Witterung draußen schnell vergessen ließ, sorgte Louis Marchands festlich-heiterer "Grand Dialogue in C-Dur", vom Stiftskirchen-Organisten Jörg Abbing an der prächtigen Kuhn-Orgel interpretiert. Es folgte ein abwechslungsreiches Programm mit geistlicher Literatur verschiedener Chorgattungen, zeitlich von Barock über Romantik bis hin zur Gegenwart reichend. Ausführende waren fünf bekannte, leistungsstarke Chöre des Verbands mit insgesamt rund 160 Sängerinnen und Sängern: die Schaumberger Kantorei, der Frauenchor Coloured Voices, der Kinderchor des Saarländischen Staatstheaters, der Saarländische Kammerchor und der Jazzchor "92 Hertz".

Den Auftakt machte die Schaumberger Kantorei mit vorwiegend getragener Literatur, u.a. von Saint-Saëns, de Victoria, Händel und Lotti. Behutsam von Alfons Kreutzer geleitet, überzeugten die annähernd 40 Sängerinnen und Sänger mit feinfühliger Dynamik und ausgewogenem Gesamtklang, welcher sich dank der guten Akustik des Kirchenraums transparent entfalten konnte. Das Publikum dankte mit herzlichem Beifall, ebenso auch bei den nachfolgenden Chören.

Der junge Frauenchor Coloured Voices aus Bliesmengen-Bolchen bot versiert zeitgenössische, vorwiegend fremdsprachliche Chorliteratur, u.a. von Emily Crocker, John Rutter und Earlene Rentz dar, am E-Piano von Chorleiter Frank Huppert begleitet. Besonders eindrucksvoll das Kyrie des schwedischen Komponisten Hugo Hammarström, bei dem die Sängerinnen mit sphärisch erklingenden hohen Stimmen eine meditative Aura verbreiteten, ebenso der einzige "deutsche Beitrag", Klaus Heizmanns "Gib mir die richtigen Worte", bei dem der Chorgesang harmonisch mit der einfühlsam von Katrin Braun auf der Querflöte vorgetragenen Melodie verschmolz.

Der Auftritt des Kinderchors des Saarländischen Staatstheaters wurde mit unfreiwilliger Komik eingeleitet, denn der begleitende Pianist Gregori Meschwellischwilli hatte mit den Tücken der Technik, d.h. mit einem sich selbständig machenden E-Piano zu kämpfen. Ein bühnenerfahrenes Ensemble wie dieser Kinderchor steckt so etwas aber natürlich leicht weg, ja noch mehr: "Niemand ist so groß, um für die Kleinen zu schreiben" – getreu dieser Devise Zoltán Kodálys wagten sich die jungen Sängerinnen und Sänger unter Leitung von Hans-Joachim Hofmann an Stücke mit teilweise hohem Schwierigkeitsgrad, von Vierdanck über Mendelssohn Bartholdy, Bardos, Micheelsen bis hin zu Rutter, wobei ihnen im Rahmen ihrer stimmlichen Möglichkeiten beachtliche Interpretationen gelangen.

Als Männerchor hatte man diesmal den Saarländischen Kammerchor unter Leitung von Adolph Seidel eingeladen. Konzentriert und kraftvoll brachten die Sänger Surianos "Alma redemptoris mater", Rheinbergers "Ave Maria" sowie drei Sätze des in Saarbrücken ansässigen Organisten und Chorleiters Alwin Schronen zu Gehör und offenbarten dabei ein enormes Stimmenspektrum sowie großes Gestaltungsvermögen.

Das Finale bestritt der Jazzchor "92 Hertz", erster Preisträger beim Landeschorwettbewerb Saar 2009 und damit Teilnehmer am diesjährigen Deutschen Chorwettbewerb in Dortmund (Kategorie "Jazz vokal et cetera – mit Begleitung"). Mit fünf Titeln, beginnend mit dem schwungvollen Hallelujah (Arr. Steve Zegree), demonstrierte der Chor eindrucksvoll seine musikalische Bandbreite, dabei klangfarbenreich unterstützt von Matthias Ernst am E-Piano. Ob Swing, ob Gospel, Pop oder Weltmusik, Melancholisches oder Heiteres – scheinbar mühelos wechselten die Sängerinnen und Sänger zwischen den verschiedenen Genres. Und das alles ohne Notenblätter, dem Publikum offen zugewandt. Offensichtlich hat Chorleiter Horst Müller seinen Chor bereits auf Dortmund "eingeschworen" – man kann hierfür nur die Daumen drücken!

Erfreut konnte SCV-Präsidentin Marianne Hurth abschließend dem Kreis-Chorverband Saarbrücken für die gelungene Organisation danken. Vor allem aber galt ihr Dank den Hauptakteuren der Veranstaltung, den fünf Chören, die in dem bedeutenden Sakralraum mit "Chormusik vom Feinsten" ein prachtvolles Neujahrskonzert gestaltet haben.

Schaumberger Kantorei (Foto: Rainer Knauf)

Coloured Voices (Foto: Rosemarie Prediger)

Kinderchor d. Saarl. Staatstheaters (Foto: R. Knauf)

Saarländischer Kammerchor (Foto: R. Prediger)

Jazzchor "92 Hertz" (Foto: Rainer Knauf)